gezielte Schärfe als Scharfeinstellung

gezielte Schaerfe auf Vordergrund

Ein in Schärfe informierender, mit Schärfe betonter Zweig im Vordergrund.
Mittel- und Hintergrund liegen in Unschärfe; sie zeigen Atmosphäre, vermitteln Stimmung.

Die gezielte Schärfe ist für mich ein gestaltungsorientierter Begriff, während Schärfentiefe oder Tiefenschärfe für mich technisch basiert sind. Auch wenn alle diese Bezeichnungen mehr oder weniger das Gleiche beschreiben, so bleibe ich bei gezielter Schärfe, weil fotografieren für mich gestalten ist und die Technik “lediglich” ein wichtiges Werkzeug dazu. Der Begriff einer gezielten Schärfe beinhaltet mMn genau, was ein mit ihm gestaltetes Foto zeigt, was ich im Foto sehe. Ein in Schärfe informierendes, mit Schärfe betontes Motivelement. Die weiteren Motivelemente sind in mehr oder weniger Unschärfe abgebildtet; sie zeigen Atmosphäre, vermitteln die Stimmung des Motivs.

gezielte Schaerfe auf Mittelgrund

Dasselbe Motiv mit gezielter Schärfe auf den Mittelgrund, der so zum informierenden Motivteil wird. Vorder- und Hintergrund zeigen Atmosphäre, vermitteln Stimmung.

Wird beim selben Motiv die Schärfe auf den Mittelgrund verlagert, so steht dieser in gezielter Schärfe und wird dabei zum informierenden Motivelement. Vorder- und Hintergrund sind nun die Atmosphäre, Stimmung bringenden Bereiche. Mit einer solchen Schärfeverlagerung entstehen gestalterisch vom selben Motiv zwei sich in ihrer Aussage gänzlich unterscheidende Fotos.

Zusätzlich zur gestalterischen Möglichkeit der Betonung des für Sie bildwichtigen Motivelements, verhilft Ihnen die gezielte Schärfe im Foto für Plastizität und Raumtiefe.

Gezielte Schärfe fotografieren Sie mit Blendenvorwahl, Verschlusszeitautomatik. So bestimmen Sie die Blende und die Kamera errechnet für Sie automatisch die für eine richtige Belichtung nötige Verschlusszeit. Je grösser die Blende, je länger die Brennweite und je kürzer die Entfernung zum Mittelgrund, desto mehr Möglichkeiten erhalten Sie, um mit Schärfeverlagerung die gezielte Schärfe gestalterisch einsetzen zu können. Die ersten zwei Beispiele dieses Beitrags sind mit Blende f/2.8 und einer Brennweite von 200 mm mit einer Vollformatkamera erstellt worden. Die Distanz zum Mittelgrund betrug etwa 25 bis etwa 30 m.

Herbstwald volle Schaerfe

Wiederum dasselbe Motiv, diesmal in voller Schärfe ohne die schärfenbezogene Betonung eines Motivelements.

Das obige, dritte Beispiel fotografierte ich mit Blende f/22 sowie mit derselben Brennweite, Kamera und Distanz zum Mittelgrund wie die zwei ersten Beispiele. Es zeigt das Motiv in voller Schärfe, d.h. ohne die Betonung eines Motivelements; Vorder-, Mittel- und Hintergrund sind in Schärfe abgebildet.

Gegenüber den zwei ersten Beispielen mit gezielter Schärfe wirkt für mich das dritte Beispiel in voller Schärfe eher dokumentarisch, nüchtern, «normal» während diejenigen mit gezielter Schärfe für mich eher künstlerisch, atmosphärisch, «anders» wirken. Die eine Art ist nicht besser oder schlechter als die andere – sie sind einfach verschieden in ihrer Aussage. Es liegt an Ihnen als Fotografin und als Fotograf, genau die Aussage zu wählen, die Sie für ihr Motiv optimal und richtig halten.

07. Januar 2013 von Mario Ciceri
Kategorien: Foto Aufnahme | Schlagwörter: , , , , , , | Kommentare deaktiviert