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«mein Hund» in Dobric
In meiner Arbeit mit dem Zoo Dobric war ich viermal in dieser Stadt. Ganz am Anfang meines dritten Besuchs haben wir uns gefunden.
Es war heiss, drückend heiss in Dobric. Er lag an einer Hausmauer im Schatten. Wie ich neben ihm stand, schaute er auf. Wir kannten uns sofort, obwohl wir uns noch nie sahen. Ich ging zurück ins Hotel und er folgte mir nach.

Am Morgen, es regnete in der Dämmerung mal kurz aber heftig, stand ein verregneter und sehr nasser, schwarzweisser Hund vor dem Hotelportal.

Er hat auf mich gewartet.

Ich marschierte mit ihm zum Auto, das mich in den Zoo brachte. Bei meiner Rückkehr am späten Nachmittag stand ein inzwischen wieder trockener und sehr lebhaft dreinblinzelnder, schwarzweisser Hund am Parkplatz.

Er hat auf mich gewartet.

Wir spazierten miteinander zu einem der
vielen Strassenrestaurants. Setzten uns an einen Rand-Tisch und waren zusammen – einfach zusammen. Anschliessend begleitete er mich zum Hotel, wo ich nach einiger Zeit wieder rauskam, mich mit Kolleginnen und Kollegen traf.
Und wer stand da – ein schwarzweisser Hund.

Er hat auf mich gewartet.

Wir schlenderten über Strassen und Plätze zu einem Restaurant, wo wir zu Abend assen. Der schwarzweisse Hund blieb draussen. Er wartete
bis ich mit ihm und unserer Gruppe, verbunden mit einem nächtlichen Stadtrundgang, wieder zum Hotel spazierte. Am nächsten Morgen war ein schwarzweisser Hund vor dem Hotelportal ...
Während den folgenden Tagen meines Aufenthalts in Dobric hatte ich einen treuen Begleiter. Die Stadtbehörde hat Hunde wie «meinen Hund» registriert und kastriert um deren Nachwuchs «in Grenzen» zu halten. Oft habe ich beobachtet wie Leute in Dobric sich um solche Hunde kümmerten, ihnen zu trinken und zu essen hinstellten.

Während eines Besuchs von Elsbeth in Dobric zu spätherbstlicher Zeit, hat sie gesehen, wie Strassenwischer das Laub zu Haufen wischten und diese Haufen dann liegen liessen. Liegen liessen für die Strassenhunde, denn sie haben in diesen Laubhaufen geschlafen, vor nächtlicher Kälte geschützt. Tags darauf haben Strassenwischer das Laub dann wieder zusammengewischt – für die nächste Nacht der Strassenhunde.

Zwei Jahre später nach meinem dritten Besuch war ich wieder zusammen mit Elsbeth in Dobric. Wir haben «meinen Hund» gesucht – ich kannte ja in etwa «sein Revier».

Jetzt habe ich auf ihn gewartet.

Und er kam, wir haben ihn gefunden und gesehen, dass er von seinem Leben als Strassenhund gekennzeichnet war. «Mein Hund» in Dobric wedelte schwach mit dem Schwanz, ass das von uns für ihn gebrachte Futter und dann trennten wir uns wieder.

«Mein Hund» in Dobric war ein Strassenhund, ein echter Strassenhund und er wusste zu leben.
Ob er es heute nocht tut – ich vermute eher nein.

Mario Ciceri